Einleitung
Als ich damals wissen wollte, wie man erotische Szenen schreibt, googelte ich schlicht „wie schreibt man erotische Szenen“ und war entsetzt über die Antwort.
Ich las einen Artikel einer bekannten Schreibtrainerin/Autorin, wo eigentlich nichts anderes drin stand als „Das darf man nicht schreiben, das auch nicht und das da sowieso nicht, denn das gehört sich alles nicht!“. Ich übersetzte diesen Artikel mit „Wenn ich genauso schreibe, wie ich möchte, dann ist das schlecht und keiner will das lesen.“ Und war dermaßen deprimiert, dass ich es gelassen habe.
Großer Fehler!
Das war das schlimmste, was ich hätte tun können. Gar nicht schreiben. Deswegen lernst du jetzt: 10 Tipps zum Schreiben erotischer Szenen!


Tipp 1: Schreibe für dich und nicht für andere!
Es ist dein Text! Deine Kreativität. Deine Gedanken. Deine Fantasie, bzw. vielleicht dein Erlebnis. Und von niemanden anderen!
Schreibe das, was du fühlst. Auch wenn es dir zunächst unlogisch erscheint.
Schreibe es nur für dich. So wie es dir gefällt. Sei beim Schreiben so wie du bist.
Das Schreiben sind Gefühle, die tief in dir ruhen und welche du mit Worten zu Papier bringst.
Tipp 2: Erschaffe glaubhafte und interessante Figuren
Es gibt Leute, für die ist dies das leichteste der Welt und andere empfinden das als extrem schwer. Aber ich kann euch schon mal beruhigen: Dies ist lernbar – und viel üben hilft!
Nimm dir deine Lieblingsserie vor.
Warum magst du die Charaktere? Was zeichnet sie aus?
Nicht nur das Aussehen, auch die Sprechweise. Bestimmte Charakterzüge, der Beruf, die Kleidung. Schreibe dir das genau auf.
Dann nimmst du dir deine eigene Figur vor und schreibst es ebenfalls auf.
Ich persönliche finde Gesichtszüge immer am schwierigsten zu beschreiben und habe mir hier ein paar Beispiele aus meinen Lieblingsbüchern genommen. Meistens ist es aber so, dass man hierbei gar nicht so extrem ins Detail gehen muss.

Tipp 3: Vermeide Klischees - oder ziehe sie durch den Kakao
Wie viele Geschichten muss ein Erotikverlag sich wohl über Polizisten durchlesen? Heiße Gärtner und gottgleiche Fitnesstrainer?
Was? Genau darüber wolltest du schreiben? Halt nein – sei nicht enttäuscht! Es heißt nicht, dass du nicht darüber schreiben sollst. Du sollst nur nicht ganz genau wie alle anderen schreiben, das wäre ja langweilig!
Ich habe auch schon über einen heißen Fitnesstrainer und über eine schüchterne Frau geschrieben.
Warum ist meine Geschichte anders?
Die Frau ist dermaßen verschüchtert, dass sie mehrmals vor ihm abhaut. Sie blamiert sich richtig vor ihm. In der Geschichte beginnt sie sich dann zu verändern, wird selbstbewusst – am Ende rutscht sie abermals in ihre Schüchternheit ab. Sie hat sich also verändert – aber sie ist zu keinem Sexmonster mutiert. Das wäre völlig unrealistisch.
Vielleicht fragst du dich gerade: „Aber warum sollte dann ausgerechnet ein Fitnessgott sich für eine schüchterne Maus interessieren? Nur weil es eine Fantasie ist? Genau das ist doch das Klischee!“
Ja, richtig. Genau das ist ein Klischee. Und dann habe ich erklärt, dass der Fitnessgott den ganzen Tag von Insta-Schönheiten umgeben ist, die bloß ins Studio kommen, um herumzuposen. Dass er das alles nicht mehr haben kann. Dass er im Gegensatz zu seinen Anabolika-Kollegen noch einen relativ normalen Körperbau hat und zu jedem freundlich ist. Und eben weil er die ganze künstliche Welt satt hat, ist unsere schüchterne Maus umso interessanter für ihn. Sie post nicht. Sie redet nicht, doch dafür sieht sie trotzdem gut aus (schüchtern bedeutet ja nicht hässlich, obwohl das in vielen Filmen merkwürdigerweise so dargestellt wird). Für ihn ist sie geheimnisvoll. Er merkt, dass sie ein Problem hat und geht auf dieses langsam Problem ein. Er reißt sie nicht wie in vielen anderen Geschichten einfach an sich und knutscht sie ab (das ist auch schön, aber es hätte hierbei nicht gepasst. Unser Fitnessgott hätte gewusst, dass er sie nur damit verschreckt), sondern verführt sie langsam nach Feierabend im Studio.
Falls du gerade mit Entsetzen feststellst, dass du aber das totale Klischee schon geschrieben hast, bzw. schreiben willst, dann überlege, ob es interessant genug ist oder ob du es statt allem trotzdem so lassen willst. Denn ich erinnere dich hiermit:
Es ist deine Geschichte. Dein Text. Und wenn du fühlst, dass es so sein soll – dann sei gerne zufrieden!

Tipp 4: Show - don't tell
Wenn du dich schon mit dem Schreiben befasst hast, dann wirst du diesen Tipp bereits kennen.
Bei diesem Tipp handelt es sich darum, wortwörtlich etwas „zu zeigen“ und nicht einfach nur darüber zu erzählen.
Ein Beispiel: Es wird gerne über das Wetter berichtet.
„Die Sonne schien am wolkenlosen Himmel, während Lin versuchte ihm zu entkommen.“
Das wäre in dem Fall das „tell“. Du hast einfach geschrieben, dass die Sonne scheint und jemand auf der Flucht ist.
Aber du sollst es ja zeigen. Das „show“ könnte man zum Beispiel so ausdrücken:
„Lin raste auf dem brennenden Bürgersteig entlang. Die Mittagshitze drohte sie zu versengen, doch das merkte sie bei der Flucht nicht.“
Wir beschreiben sozusagen genau, wie etwas ist. Oftmals umschreiben wir es sogar. Unser Gehirn muss sich einen Ticken mehr anstrengen und weiß bei einem kurzen Denken „Ein brennender Bürgersteig und sengende Mittagshitze? Ah – es ist vermutlich Hochsommer.“
Das war es schon. Kommt dir das ein wenig kompliziert vor? Keine Sorge! Das ging mir am Anfang auch so!
Doch hierbei gilt ebenfalls der Spruch „Übung macht den Meister“ Immer wenn du ein wenig Zeit zum üben hast, versuche die Regel anzuwenden. Du musst dafür nicht mal unbedingt etwas aufschreiben.
Wenn du z.B. auf einem Spaziergang an einem Spielplatz vorbei kommst und an einen alten Basketballkorb siehst, schau ihn an und versuche ihn zu beschreiben. Dein erster Gedanke wird vermutlich sein „Der Basketballkorb ist alt.“ Schau ihn dir genau an: Wie sieht er aus?
Verrostet? Hat er noch ein Netz? Ist die Farbe verblichen?
Dann könntest du daraus machen: „Die Farbe am verrosteten Basketballkorb war schon lange ausgeblichen. Vor Urzeiten musste hier auch ein Netz gehangen haben.“
Wie gesagt: Wenn du große Probleme mit „Show – dont tell“ hast, mach dir keine Gedanken: Am Anfang ist mir nichts dazu eingefallen, aber mit der Zeit wurde ich besser – und jetzt denke ich nicht einmal mehr drüber nach!
P.s. Show – don’t tell ist zwar sehr wichtig, aber du musst es übrigens nicht am laufenden Band einbauen. Bei ein paar Dingen darfst du auch ruhig nur das „tell“ verwenden.


5. Verwende artverwandte Begriffe
Ich schreibe gerne Themenbezogen. Hierzu mache ich am besten gleich ein Beispiel:
Eine Geschichte spielte in der Bank zwischen einer Kundin und ihrem Bankberater. Die beiden sind Hundefans und deswegen habe ich zwischendurch immer wieder Begriffe aus diesem Hobby verwendet.
In einem Satz dachte der Mann darüber nach, wie gerne er mit der Frau etwas anfangen wollte. Stattdessen habe ich geschrieben dass er „räudiger als eine deutsche Dogge ist“.
In einer anderen Geschichte geht es um eine Musikschule. Anstatt zu schreiben, „wie wunderschön“ es zwischen den beiden ist, schrieb ich: „Unsere Körper spielen die perfekte Symphonie zusammen.“
Solche kleinen Wortspiele, bzw. Metaphern/Vergleiche regen auch hier wieder Gehirn an.
Überleg, um was in deiner Geschichte geht und welche Wörter, Redewendungen und Sprichwörter aus diesem Thema dir bekannt sind.
Wenn die vielleicht „nur“ über die Begegnung von zwei Eheleuten schreibst, könnte es sogar schon ausreichen, wenn du einfach mal das Wort googelst und vielleicht Ideen bekommst, wenn du dir die Einträge dazu anschaust.
Das waren die ersten fünf Tipps. Die anderen folgen im 2. Teil, den du hier findest: Klick!
Du willst deinen Schreibstil noch mehr verbessern? Hier geht zu den Tipps 6-10!
