Ab wann darf man sich eigentlich Autor nennen?
Zwischen großen Ideen, leeren Seiten und meinem persönlichem "Bäm!"-Moment.
„Ich bin Autor.“
❓Darf man das eigentlich einfach so sagen? ❓
Braucht man dafür einen Verlagsvertrag? Muss das erste Buch bei Thalia im Regal stehen? Muss man Geld mit seinen Geschichten verdienen? Oder reicht es, wenn irgendwo auf der Festplatte seit sieben Jahren eine Datei namens Roman_neu_final_WIRKLICHfinal3.docx herumliegt?
Ich habe dazu eine ziemlich eindeutige Meinung:
Man muss nichts veröffentlicht haben, um Autor zu sein. Aber irgendwann sollte man verdammt noch mal anfangen zu schreiben.
💥 Mein persönlicher „Bäm!“-Moment 💥
Vor ungefähr zehn Jahren kannte ich jemanden, der sich sehr selbstbewusst als Autor bezeichnete.
Er hatte eine Buchidee. Einen Plot. Große Pläne. Und er sprach auch ausgesprochen selbstsicher über das Schreiben. Meine eigene Arbeit wurde dabei durchaus mal belächelt.
Irgendwann fragte ich:
„Wie viele Bücher hast du eigentlich geschrieben?“
Die Antwort überraschte mich:
„Keines.“
Er habe zwar die Ideen, könne aber nicht schreiben. Das sollte später jemand anderes für ihn übernehmen.
Dann kam die Gegenfrage:
„Und du?“
Meine Antwort:
„Zehn Romane.“
Bäm!
Ich gebe zu, dieser Moment hatte etwas ungemein Befriedigendes. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt kein einziges Buch veröffentlicht hatte.
Gleichzeitig brachte er mich aber auf eine Frage, über die ich seitdem immer wieder nachgedacht habe:
📚 Was macht einen Menschen eigentlich zum Autor? 📚
Muss man veröffentlicht haben?
Für mich ganz klar:
Nein.
Ein Verlagsvertrag macht aus einem Menschen nicht plötzlich einen Autor.
Auch Verkaufszahlen tun das nicht.
Du kannst an deinem allerersten Roman schreiben, niemand außer dir hat jemals eine Seite davon gelesen und trotzdem bist du für mich Autor.
Vielleicht ist dein Manuskript noch nicht besonders gut.
Vielleicht weißt du noch nicht genau, was du da eigentlich machst.
Vielleicht hast du gerade erst gelernt, was ein Plot ist, und fragst dich, warum zum Teufel plötzlich alle von Charakterbögen reden.
Du schreibst?
Du beschäftigst dich ernsthaft mit deinem Handwerk?
Du möchtest besser werden?
👋 Herzlich willkommen im Club. 👋
Aber eine Idee allein macht für mich noch keinen Autor
Hier werde ich allerdings ein bisschen streng.
Eine großartige Idee für einen Roman zu haben, bedeutet für mich noch nicht, Autor zu sein.
Sonst wäre vermutlich die halbe Menschheit Schriftsteller.
Wie oft hört man:
„Ich müsste eigentlich mal ein Buch über mein Leben schreiben!“
Oder:
„Ich habe eine Wahnsinnsidee für einen Roman!“
Wunderbar!
Aber dann kommt der entscheidende Teil:
✍️ Schreib ihn. ✍️
Ein Autor muss für mich nicht veröffentlicht sein.
Ein Autor muss nicht perfekt schreiben können.
Ein Autor darf lernen, scheitern, neu anfangen, 50 Seiten wegwerfen und beim ersten Versuch einen Roman produzieren, bei dem drei Jahre später die Frage aufkommt: Was zur Hölle habe ich mir dabei eigentlich gedacht?
Aber irgendwo zwischen all diesen Dingen muss etwas passieren:
✍️ Es müssen Geschichten geschrieben werden. ✍️
„Aber ich kann doch gar nicht richtig schreiben!“
Dann lern es.
Im Ernst.
Diese Vorstellung, ein richtiger Schriftsteller müsse bereits mit elf Jahren sprachlich irgendwo zwischen Goethe und Stephen King unterwegs gewesen sein, halte ich für Unsinn.
Schreiben ist auch ein Handwerk.
Und Handwerk kann man lernen.
Ich selbst habe anfangs kostenlose Videos angeschaut, Artikel gelesen und Bücher übers Schreiben gekauft. Das brachte mich weiter, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlte.
Also investierte ich Geld in einen Schreibkurs.
Damals waren es 145 Euro, die für mich zunächst einmal eine Investition in mein Hobby waren.
Und dieser Kurs hat mich weitergebracht.
Nicht zu einer perfekten Autorin.
Die bin ich bis heute nicht und vermutlich werde ich das auch nie sein.
Aber ich verstand plötzlich Dinge besser. Ich bekam Übungen, Beispiele und Erklärungen. Und ich konnte auf dem aufbauen, was ich bereits konnte.
Seitdem bin ich überzeugt:
✨ Talent ist wunderbar. Lernbereitschaft ist wichtiger. ✨
Anfänger zu sein, ist nichts Peinliches
Ich glaube, genau hier liegt manchmal das eigentliche Problem.
Wir möchten etwas können, bevor wir angefangen haben, es zu lernen.
Wir vergleichen unseren ersten Entwurf mit einem Roman, den eine erfahrene Autorin geschrieben, mehrfach überarbeitet und anschließend mit Lektorat und Korrektorat veröffentlicht hat.
Natürlich sieht der besser aus!
Das bedeutet nicht, dass wir aufhören sollten.
Es bedeutet:
Wir sind noch nicht fertig.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Wann bist du für mich also Autor?
Nicht dann, wenn dein erstes Buch verkauft wurde.
Nicht mit dem ersten Verlagsvertrag.
Nicht mit tausend Instagram-Followern.
Und schon gar nicht erst dann, wenn du irgendwann einen Bestseller geschrieben hast.
Für mich beginnt es viel früher.
Du hast angefangen, Geschichten zu schreiben.
Du setzt dich hin und arbeitest daran.
Du versuchst, besser zu werden.
Vielleicht schreibst du täglich. Vielleicht nur sonntags. Vielleicht sitzt du seit drei Jahren an deinem ersten Roman.
Das spielt für mich keine Rolle.
Du schreibst.
Und irgendwann entsteht aus einer Idee etwas, das vorher nur in deinem Kopf existiert hat.
Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied zwischen:
„Ich möchte irgendwann ein Buch schreiben.“
und
„Ich bin Autor.“
Im Tun.
Nicht im Erfolg.
Und was ist nun mit meinem Bekannten?
Vielleicht hat er sein Buch irgendwann doch noch geschrieben. Vielleicht wird er es eines Tages tun.
Und wenn er sich morgen hinsetzt, die ersten Zeilen schreibt und ernsthaft anfängt, an seiner Geschichte zu arbeiten?
Dann würde ich heute sagen:
📖 Willkommen unter den Autoren. 📖
Denn darum geht es für mich letztendlich.
Du brauchst keinen Verlag, keinen Bestseller und keine Veröffentlichung, um dich Autor nennen zu dürfen.
Du musst auch nicht schon perfekt schreiben können. Du darfst Anfänger sein, Fehler machen, neu anfangen und zwischendurch vollkommen überzeugt davon sein, dass dein Manuskript gerade der größte Blödsinn ist, den jemals ein Mensch zu Papier gebracht hat.
Aber irgendwann kommt der Moment, an dem aus der Idee eine Geschichte werden muss.
Also schreib sie.
Und falls es dein erster Roman ist und du noch überhaupt keine Ahnung hast, was du da eigentlich tust?
Willkommen im Club.
Genau so haben wir alle angefangen.
💥 Bäm. 💥
