Hilfe, Schreibblockade!
Vorweg: Dieser Artikel beruht ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen als Autorin. Er ist keine wissenschaftliche oder psychologische Erklärung von Schreibblockaden.
🧱 Wenn plötzlich nichts mehr geht 🧱
Ich hatte früher viele Schreibblockaden.
Manche dauerten ein paar Wochen. Andere Monate. Eine sogar mehrere Jahre.
Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich dachte:
Vielleicht ist das gar keine Schreibblockade. Vielleicht ist das einfach der endgültige Beweis dafür, dass ich keine Autorin bin.
Vielleicht war das alles nur Wunschdenken. Vielleicht sollte ich meinen Traum einfach begraben.
Gott sei Dank habe ich mich mit diesem Gedanken nicht dauerhaft abgefunden.
Denn rückblickend weiß ich: Mir fehlte damals weder die Fantasie noch die Fähigkeit zu schreiben.
🧠 Mein Kopf hatte schlicht keinen Platz mehr dafür. 🧠
Manchmal liegt das Problem gar nicht beim Schreiben
Damals arbeitete ich in einem Job, der mich vollkommen erdrückte. Nicht die eigentliche Arbeit war das Problem, sondern das Betriebsklima. Es gab ständig Konflikte und Spannungen, und wenn ich nach Hause kam, war ich leer.
Dann wechselte ich die Abteilung.
Plötzlich arbeitete ich fast ausschließlich mit einem ruhigen Kollegen zusammen, konnte meine Arbeit in meinem eigenen Tempo erledigen und hatte endlich Ruhe.
Und irgendwann kam sie zurück:
meine Kreativität.
Sie tröpfelte nicht langsam vor sich hin. Sie floss plötzlich wieder. Zum ersten Mal seit Jahren schrieb ich, wie ich immer hatte schreiben wollen.
Ich schrieb und schrieb und hörte nicht mehr auf.
Das hat meine Sicht auf Schreibblockaden grundlegend verändert.
Heute frage ich mich deshalb nicht mehr nur:
Warum kann ich nicht schreiben?
Sondern:
Was hindert mich gerade wirklich daran, zu schreiben?
Bin ich gestresst?
Beschäftigt mich ein Konflikt?
Habe ich vor etwas Angst?
Bin ich vollkommen erschöpft?
Gibt es etwas in meinem Leben, das ich eigentlich längst ändern möchte, mir aber nicht eingestehe?
Manchmal hat die Schreibblockade erstaunlich wenig mit der Geschichte zu tun, vor der ich sitze.
🌩️ Wenn die Angst vor dem Schreiben größer ist als die Lust darauf 🌩️
Eine meiner größten Blockaden ist Versagensangst.
Ich schiebe Dinge auf, weil ich Angst habe, sie falsch zu machen. Das betraf nicht nur meine Manuskripte, sondern beispielsweise auch Exposés und meine Website.
Irgendwann habe ich dafür eine Methode gefunden.
Ich bin schließlich Schreiberling.
Also mache ich das, was ich am besten kann:
Ich schreibe über meine Angst.
Allerdings möglichst konkret.
Nicht:
„Ich habe Angst vor einem Shitstorm.“
Sondern:
„Ich habe Angst, dass ein Shitstorm meine Sozialphobie verstärkt. Ich habe Angst, dass mich das so sehr beschäftigt, dass ich mich wochenlang zurückziehe und mich schwach und unzulänglich fühle.“
Plötzlich ist die Angst kein riesiges, undefinierbares Monster mehr.
Ich kann sehen, wovor ich eigentlich Angst habe.
Bei einem meiner Bücher hat mir genau das geholfen. Ich wollte über Tod, Leben und Religion schreiben. Das Thema beschäftigte mich unglaublich, trotzdem fing ich drei Jahre lang nicht richtig damit an.
Erst als ich über meine Blockade schrieb, verstand ich:
Das Thema war für mich so gewaltig, dass ich glaubte, ihm mit meinen Worten nicht gerecht werden zu können.
Dann kam der NaNoWriMo.
Ich setzte mich hin und schrieb.
Das Buch wurde fertig.
Ist es so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte?
Nö.
Ich werde vermutlich große Teile überarbeiten und einiges vielleicht komplett neu schreiben müssen.
Aber das Buch existiert.
Ich weiß endlich, wo es anfängt und wo es endet.
Und einen schlechten ersten Entwurf kann ich überarbeiten.
Ein Buch, das ausschließlich in meinem Kopf existiert, nicht.
💡 Und wenn mir wirklich keine Idee einfällt? 💡
Auch das kenne ich:
Ich will schreiben.
Ich habe Lust darauf.
Aber verdammt noch mal:
WORÜBER?
Inzwischen versuche ich dann nicht mehr, mit aller Gewalt eine geniale Romanidee zu produzieren.
Im Gegenteil.
Ich verbiete mir die Ideensuche.
Stattdessen lese ich. Ich höre Musik. Schaue einen Film oder eine Dokumentation. Rede mit Menschen. Höre mir ihre Geschichten an. Gehe raus. Mache Schreibübungen.
Denn all das ist Inspiration.
Ich vergleiche das gerne mit Dating:
Du kannst als Single zu Hause sitzen und dich darüber ärgern, dass niemand anruft und nach einem Date fragt.
Oder du gehst raus, triffst Menschen ganz unverbindlich und denkst irgendwann:
„Huch. Den Menschen würde ich eigentlich gerne wiedersehen.“
So ähnlich empfinde ich Kreativität.
Ich muss eine Idee nicht durch die Gegend jagen.
Ich muss ihr nur genügend Möglichkeiten geben, mir zu begegnen.
🧰 Meine 10 Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Schreibblockade 🧰
Wenn bei mir gar nichts geht, probiere ich nicht alles gleichzeitig aus. Ich suche mir eine Sache aus:
- 📝 Aufschreiben, warum ich gerade nicht schreibe. 📝
Nicht lange nachdenken. Ehrlich hinschreiben, was mich vom Manuskript fernhält. - ✍️ 10 bis 15 Minuten Freewriting.✍️
Stift oder Tastatur nehmen und schreiben, ohne zu korrigieren oder darüber nachzudenken, ob der Text irgendeinen Sinn ergibt. - 🗑️ Absichtlich schlecht schreiben.🗑️
Herrlich befreiend! Der Text muss heute nicht gut sein. Er muss nur existieren. - 📋 Mit Stichpunkten beginnen.📋
Wenn eine Szene nicht funktionieren will, schreibe ich zunächst nur auf, was darin passieren soll. - 🪑 Den Schreibort wechseln. 🪑
Anderer Schreibtisch, Sofa, Café, Bibliothek oder Garten. Manchmal braucht mein Kopf einfach eine andere Umgebung. - ✏️Mit Stift und Papier weiterschreiben. ✏️
Der Wechsel vom Bildschirm zum Papier verändert für mich manchmal überraschend viel. - ⏱️Nur 30 Minuten schreiben. ⏱️
Keine Wortzahl, keine zehn Seiten. Nur 30 Minuten. Danach darf ich aufhören. Erstaunlich oft möchte ich es anschließend gar nicht mehr. - 💬 Mit einer vertrauten Person darüber sprechen. 💬
Manchmal erkenne ich erst beim Erzählen, wo das eigentliche Problem liegt. - 🧘 Meditieren. 🧘
Nicht, um danach auf magische Weise eine Bestselleridee zu bekommen. Sondern um erst einmal das verdammte Gedankenkarussell etwas leiser zu bekommen. - 📚🎬 Bücher lesen oder Filme aus meinem Genre anschauen. 📚🎬
Nicht kopieren. Nicht analysieren, bis der Spaß weg ist. Einfach andere Geschichten genießen und meinen Kopf wieder mit dem füttern, was ich selbst liebe.
Und wenn trotzdem nichts funktioniert?
☕ Dann funktioniert eben gerade nichts. ☕
Auch diese Erkenntnis musste ich erst lernen.
Nicht jede Schreibblockade lässt sich mit Freewriting, einem neuen Notizbuch und einer Tasse Kaffee vertreiben.
Meine aktuelle längere Schreibblockade hängt für mich beispielsweise mit meiner Depression zusammen.
Dann möchte ich ausgerechnet das Schreiben nicht zu einem weiteren Punkt auf meiner Liste machen, bei dem ich das Gefühl bekomme:
Das musst du jetzt aber endlich wieder hinbekommen!
Manchmal brauche ich keine neue Schreibtechnik.
Manchmal brauche ich eine Pause.
Und die darf ich mir geben.
Was ich heute über Schreibblockaden denke
Früher dachte ich, eine lange Schreibblockade sei der Beweis dafür, dass ich keine richtige Autorin bin.
Heute sehe ich das anders.
Eine Schreibblockade ist für mich ein Signal.
Vielleicht stimmt etwas mit meiner Geschichte nicht.
Vielleicht habe ich Angst.
Vielleicht fehlt mir Inspiration.
Vielleicht bin ich gestresst.
Vielleicht bin ich erschöpft.
Vielleicht brauche ich tatsächlich Hilfe.
Oder vielleicht brauche ich einfach eine Weile Ruhe.
Deshalb frage ich mich heute nicht mehr nur:
Warum kann ich nicht schreiben?
Sondern:
Was hindert mich gerade wirklich daran?
❤️ Und manchmal ist genau diese Frage der erste Satz, den ich schreiben muss. ❤️
